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Das Yoga Sutra und die Gedanken eines Yogi

Das Yogasutra ist der Ursprungstext des Yoga und wurde von dem Weisen Patanjali  zwischen 400. und 200. v. Ch. geschrieben. Es beinhaltet 195 Verse, die heute noch als Leitfaden des Yogas gelten, sowie den achtgliedrigen Pfad zur Freiheit angesehen werden.

Im Zuge meiner Ausbildung schrieb ich verschiedene Aufsätze rund ums Thema. In einem davon behandle ich ein auserwähltes Sutra aus Patanjalis Werk:

 

4.12 atitanagatam svarupato´ styadhvabhedad dharmanam

„Die vergangenen Situationen und Situationen, in denen wir künftig sein werden, sind alle in der gegenwärtigen Situation enthalten. Die scheinbare Einzigartigkeit einer Situation hängt mit der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Ausrichtung unseres Geistes zusammen.“

Der Aufsatz umfasst meine Gedanken zum Vers und ist fortan in Form dieses Blogbeitrags für euch zugänglich. Viel Spaß beim Lesen.

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Was geschehen ist, ist geschehen, weder gut noch schlecht. Wir sind es, die daraus eine Geschichte formen und diese in unseren Kopf als Erinnerung einbetten. Dabei werden bestimmte Details hervorgehoben und andere vernachlässigt. Welche das sind, hängt am häufigsten mit den erlebten Gefühlen zusammen, aber ebenso mit dem Bedürfnis des eigenen Egos, sich selbst zu unterhalten. Auch die Grundeinstellung eines Menschen spielt eine große Rolle. Wer problemorientiert ist, wird sich vorläufig an das Negative erinnern, die Zielorientierten hingegen an das Positive. Wie es auch sein mag, wir tragen dieses Paket aus Erinnerungen, welches wir im Zuge der vergangenen Erfahrung geschnürt haben, in unsere Gegenwart. Wir machen es zu unserer Geschichte, geben es als Grund für unsere Persönlichkeit an und lassen uns auf unserem zukünftigen Weg davon beeinflussen. Die erzeugte Illusion oder die Erinnerung schränkt somit unsere Auswahl an zukünftigen Wegen ein. Dies kann gut sein, um bestimmte Fehler kein zweites Mal zu begehen, aber auch schlecht, wenn wir uns aus Gewohnheit, oder um Konflikte (auch mit uns selbst) zu vermeiden, den Weg der Entfaltung unseres wahren Ichs und dessen Erfüllung versperren.

 

Wir können uns aus diesem Kreislauf befreien, wenn wir erkennen, dass die Vergangenheit und die Zukunft in Form der Erinnerung nur im ewigen Jetzt existieren. Sie sind ein Spiegel, den wir uns ständig vor Augen halten, um uns zu identifizieren. Doch diesen Spiegel haben wir selbst geschaffen. Zu einem geringen Teil mithilfe der Entscheidungen, die wir einst trafen und später treffen werden, und zum größten Teil mit unserer persönlichen Einstellung im Jetzt. Der Mensch ist Bewusstsein und hat die Gabe der Schöpfung, sowohl im Körper als auch im Geist. Doch haben wir nicht genug Kontrolle darüber, sind es zumeist unsere Instinkte und die niederen Wünsche des Egos, die etwas erschaffen, von dem wir dann glauben, dies sei die Wirklichkeit. Werden wir uns dieser Tatsache bewusst, können wir die Kontrolle zurückerlangen. Indem wir unsere Gedankenwelt beherrschen, können wir unsere Sicht auf die Dinge verändern – und somit auch auf Vergangenheit und Zukunft. Die Erinnerungen können sich wandeln, und wo uns einst die Schattenseite eines Erlebnisses negativ beeinflusst hat, kann es uns gut tun, wenn wir das Licht unserer Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte der Geschehnisse richten. Tun wir dies kontinuierlich und mit Erfolg, können wir die Vergangenheit nicht nur wertfreier und mit größerem Abstand wahrnehmen. Wir werden auch unabhängiger davon. Und dasselbe trifft auch auf Zukunftsängste zu.

Indem wir uns ein ganzes Stück von der Illusion von Vergangenheit und Zukunft lösen, werden wir freier im ewigen Jetzt. Außerdem steigt unsere geistige, schöpferische Kraft, wodurch wir nicht nur Einfluss auf unsere Erinnerungen an die Vergangenheit nehmen, sondern auch unsere Zukunft bewusst bestimmen können.

 

Die Vergangenheit erscheint uns meist greifbarer. Wir sind überzeugt, dass sie wirklich stattgefunden hat, denn unser eigenes Selbst, die geschaffene Umgebung und etliche Fotos belegen dies. Aus der Zukunft hingegen gibt es keine solche irdischen Beweise. Somit erscheint sie uns vage und vielleicht unvorhersehbar. Auch hier täuscht uns unser Ego, denn die Zukunft ist nicht weniger real als die Vergangenheit. Sie ist genauso geschrieben oder ungeschrieben wie unsere Vergangenheit. Alles hängt von uns und unserer schöpferischen Fähigkeit ab. Der Mensch hat gelernt, sich Ziele zu setzen, die möglichen Erfolge zu beschreiben und sich selbst am Ende seines Weges zu visualisieren. Ob dies bewusst oder unbewusst geschieht, ist gleich. Das Jetzt verändert sich und wird diese Form der eigenen Vorstellung unweigerlich annehmen. Verstärkt wird dieser Vorgang vor allem durch die Gefühlswelt. Lassen wir unser Gemüt durch scheinbar negative Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflussen, werden diese auch ihren Weg in die Zukunft finden. Im Gegenzug können wir unsere Ziele mit Glücksgefühlen verankern, also schon im Jetzt fühlen, wie es sich anfühlen wird, wenn die Träume in die Tat umgesetzt werden. Ist zudem noch eine angemessene Portion Ehrgeiz vorhanden, kann kaum noch etwas schiefgehen.

Es liegt immer an einem Selbst, worauf er sich konzentriert. Entweder wir erinnern uns an vergangenes Leid, führen im Jetzt ein wenig erfülltes Leben und haben wenig Aussicht auf Besserung. Oder wir denken dankbar an die positiven Erfahrungen von damals, gewinnen Kraft für die Gegenwart und visualisieren eine Zukunft, der wir mit größter Freude entgegensteuern.

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